Verein für Psychoanalytische Sozialarbeit e.V. - Tübingen und Rottenburg

Schulabsentismusprojekt

Schulabsentismus?

Immer mehr Kinder und Jugendliche fallen aus dem schulischen (und sozialen) Leben heraus. Sie gehen nicht mehr zur Schule, ziehen sich von Freund*innen zurück und isolieren sich zunehmend zu Hause – manche sogar vollständig in ihrem Zimmer. Andere zeigen so stark impulsives oder aggressives Verhalten, dass ein Miteinander mit Gleichaltrigen kaum möglich ist. Wir begleiten junge Menschen ab Klasse 1 - als Übergang - zurück in die Schule. Die Kooperation mit Schulen, Kliniken und dem Schulamt spielt dabei eine wichtige Rolle, ebenso wie die intensive Elternarbeit.

Unsere Arbeit versteht sich ausdrücklich nicht als Konkurrenz zu bestehenden Schulabsentismusprojekten (Restart), sondern als wichtige Ergänzung des Hilfesystems. Wir richten uns an eine besonders vulnerable Zielgruppe, die von herkömmlichen Angeboten aufgrund der Schwere ihrer psychischen Erkrankung nicht erreicht wird: Kinder und Jugendliche, die nicht (mehr) beschulbar sind und bei denen klassische Angebote nicht greifen, da die Ursachen in tiefen seelischen Konflikten liegen. Außerdem arbeiten wir auch mit Grundschüler*innen, für die die anderen Projekte nicht zuständig sind.

 

Wie arbeiten wir?

Wenn die Kinder und Jugendlichen anfangs nicht zu uns kommen können, haben wir die Möglichkeit zu ihnen nach Hause zu gehen – erste Begegnungen finden dann bei Spaziergängen und manchmal sogar durch die geschlossene Zimmertür statt. Durch verlässliche, kontinuierliche Präsenz entsteht allmählich Vertrauen. Schrittweise bauen wir dann eine Tagesstruktur auf: Wir holen die jungen Menschen morgens zu Hause ab und bringen sie in unsere Räumlichkeiten. Hier finden begleitete Lernzeiten, Mittagessens- und Pausenangebote in Kleinstgruppen statt, sowie psychoanalytisch-sozialtherapeutischen Einzelstunden. Bei Bedarf und ausreichender Stabilität kann evtl. auch ein Hausunterricht (in unseren Räumen) in Kooperation mit dem Schulamt installiert werden. Das Angebot ist bewusst klein gehalten und betreut nur drei bis vier junge Menschen gleichzeitig, um dem drohenden „Herausfallen aus der Welt" wirklich individuell entgegenwirken zu können.

Wir arbeiten im Rahmen der Jugendhilfe (Einzelfallhilfe), Kostenträger ist das Jugendamt Tübingen. Unser Verein arbeitet seit über vier Jahrzehnten mit jungen Menschen, die aufgrund schwerer seelischer Belastungen, Entwicklungsstörungen oder komplexer psychosozialer Konflikte in bestehenden pädagogischen und therapeutischen Systemen nicht ausreichend erreicht werden. Unsere Arbeit verbindet psychoanalytische Theorie mit sozialpädagogischer Praxis und zeichnet sich durch eine besondere Sensibilität für unbewusste Konflikte und Beziehungsdynamiken aus. Im Mittelpunkt stehen der behutsame Aufbau tragfähiger Beziehungen und individuell gestaltete Begleitungsformen, die sich eng an den Möglichkeiten und Grenzen der jungen Menschen orientieren.

 

➥ Schule am Ufer